Als Unternehmer nach Kanada auswandern

Bei diesen "klassischen" Einwanderungsprogrammen für Entrepreneurs führt der Weg zur Daueraufenthaltsbewilligung (PR) in der Regel über den Zwischenschritt einer mehrjährigen, zeitlich befristeten Arbeitsbewilligung, mit der Möglichkeit, bei erfolgreicher Erfüllung des zwischen der Provinz und dem Unternehmer unterzeichneten Performance-Agreements eine PR zu beantragen. Entrepreneurprogramme sind Programme, die auch finanzielle Ressourcen (z.B.. Business Plan) sowie Zeit bei der Vorbereitung bis hin zur Qualifikation erfordern. Diese Programme verlangen einen “significant benefit” für Kanada und das heisst, mindestens eine Arbeitsstelle muss geschaffen werden und das Geschäft muss profitabel sein.

Zusammengefasst funktionieren in der Regel Entrepreneurprogramme folgendermassen:
  • Erfüllen der Anforderung für das Programm
  • Aufsetzen eine Business Plans
  • Selektion der Geschäftsidee durch die Provinz
  • Verpflichtung des Antragstellers zu einem "Performance Agreement" mit der Provinz (z.B.: Schaffen eines zusätzlichen Arbeitsplatzes)
  • Ausstellen einer temporären Arbeitsbewilligung (1- 2 Jahre)
  • Review Erfüllung Performance Agreement
  • PR-Nomination durch Provinz
Unternehmer-Einwanderungsprogramme legen weniger Wert auf Alter, sprachliches Können oder Ausbildung. Dafür wird mehr Beachtung geschenkt auf vergangene Erfahrung als Manager/Geschäftsführer und auf die Geschäftsidee/Business Plan in Bezug auf Nutzen für Kanada.

Weiteres Qualifikationskriterium der Entrepreneur-Programme der Provinzen ist unter anderem auch ein vorhandenes, nachweisbares Mindestvermögen und Minimum-Investitionsvolumen für das Business. Die von den Provinzen genannten Summen sind Mindestanforderungen, die in der Realität oft überboten werden.

Provinz Mindest-Vermögen (CAD) Mindest-Investition (CAD)
British Columbia 300,000 - 600,000 100,000 - 500,000
Alberta 500,000 500,000
Saskatchewan 500,000 200,000 - 300,000
Manitoba 500,000 150,000 - 250,000
Ontario 400,000 - 800,000 500,000 - 1,500,000
Quebec 100,000 - 2,000,000 25,000 - 1,200,0001)
Prince Edward Island 600,000
New Brunswick 600,000 250,000
Nova Scotia 600,000 150,000
Newfoundland & Labrador 600,000 200,000
Yukon 500,000 300,000
Northwest Territories 250,000 - 500,000 150,000 - 300,000
1) Security Deposit
Für Freiberufler gibt es in Kanada zwei Einwanderungskategorien:
  • Das bundesstaatliche "Self-employed person" Programm richtet sich nicht nur an international bekannte Athleten und Kulturschaffende, sondern auch an bestandene Freischaffende aus Kunst, Kultur, Erholung und Sport.
  • Quebec bietet Freiberuflern ein eigenes Programm an. Verlangt wird dort unter anderem ein (relativ tiefes) Eigenvermögen von CAD 25,000 oder - wenn man sich in Montreal niederlässt von - 50,000 CAD.
Für Landwirte gibt es eigene Einwanderungskategorien in den Provinzen Alberta, Saskatchewan und Manitoba.
Eine Unterstützung durch einen bei den Einwanderungsbehörden akzeptierten Angel Investor, Venture Capital Fund oder Inkubator (in Kanada) ist die hauptsächliche Anforderung, um sich für diesen Weg zu qualifizieren.
Intra-Company Transfer (innerbetriebliche Entsendung von Mitarbeiter) erlaubt Mitarbeiter (oder dem angestellten "Patron") einer ausländischen Firma in Kanada zu arbeiten. Zwar muss eine Arbeiterlaubnis beantragt werden, aber auch hier entfällt die LMIA.

Im Rahmen des CETA-Abkommens zwischen Kanada und der EU können EU-Bürger, als Dienstleister, Freiberufler und Investoren zuerst eine Arbeitserlaubnis in Kanada beantragen, die verlängerbar ist. Dank CETA muss dazu keine LMIA beantragt werde.

Über den Zwischenschritt einer Arbeitserlaubnis kann zu einem späteren Zeitpunkt versucht werden, sich für ein Einwanderungsprogramm für (angestellte) Berufsleute zu qualifizieren. Dieser “Zwischenschritt” erhöht die Chancen für eine Selektion, da für die Einwanderung wesentliche Kriterien abgedeckt werden (und z.B. auch Zusatzpunkte im Express Entry geben können): “kanadische Arbeitserfahrung”, höhere Sprachkompetenz und allenfalls ein Stellenangebot eines kanadischen Arbeitgebers.
Eine Alternative zu den klassischen Entrepreneurprogrammen (mit verlangten hohen Investitionsvolumen) wäre, als Unternehmer zuerst “nur” eine Arbeitsbewilligung zu beantragen, sich unternehmerisch zu bewähren und damit Voraussetzungen zu schaffen, um sich dann später als Angestellter seiner Firma für ein Einwanderungsprogramm für Berufsleute (und nicht über ein Entrepreneurprogramm) zu qualifizieren.
Bevor dieser Weg beschritten wird, sollte man sich aber vergewissern, dass man sich wirklich über diesen Zwischenschritt “Arbeitsbewilligung für Unternehmer” auch zu qualifizieren vermag. Sonst macht dieses Vorgehen keinen Sinn.
Beim Weg zu einer Arbeitsbewilligung gilt es, zuerst - je nach Strategie, wie die Permit beschafft werden soll - das Arbeitsamt (ESDC) bzw. die Einwanderungsbehörden u.a mit einem Business Plan zu überzeugen, dass die Geschäftsidee einen Nutzen, einen “significant Benefit” für Kanada bringt und dabei auch mindestens einen zusätzlichen Arbeitsplatz schafft. Der Nutzen kann beispielsweise wirtschaftlicher oder kultureller Art sein. Ein von den Behörden akzeptierter “significant Benefit” für Kanada bietet die Möglichkeit, eine Arbeitsbewilligung ohne vorherigen oder reduzierten LMIA-Prozess zu bekommen.
Kanada hat schon seit längerem sukzessiv die Türe für (passive) Investoren bis auf einen schmalen Spalten geschlossen. So wurde Kanada's "Immigrant Investor Program" vor Jahren aufs Eis gelegt. Ein eigentliches Investorenprogramm kennt zur Zeit nur noch Quebec, welches neben einem signifikanten finanziellem Engagement, einer gewissen sprachliche Kompetenz in English und/oder Französisch und weiteren Anforderungen auch Wohnsitznahme in Quebec verlangt.
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