Auswandern Kanada: Möglichkeiten

Das "Atlantic Immigration Pilot" (AIP) ist eine bis Ende 2019 laufende Immigrationsinitiative in den Atlantischen Provinzen (New Brunswick, Newfoundland and Labrador, Nova Scotia und Prince Edward Island) und soll für das Projekt qualifizierte Arbeitgebern (sog. "designated employer") die Möglichkeit bieten, mit weniger bürokratischem Aufwand ausländische Arbeiter zu rekrutieren und ihnen damit zu einer Daueraufenthaltsbewilligung zu verhelfen. Aus Sicht Arbeitnehmer ist dieses Projekt auch für jene, deren berufliche Qualifikation "nur" einer NOC C - Einstufung entspricht, interessant. Auch die Anforderung an die Sprachkompetenz ist im Vergleich zu anderen Programmen niedriger angesetzt.
Das Projekt umfasst drei neue Einwanderungskategorie:

  • "Atlantic High-Skilled Program": für qualifizierte Facharbeiter, also NOC 0,A,B
  • "Atlantic Intermediate-Skilled Program": für sogenannte "semi-skilled", also in ihrer Arbeit angelernte, Berufstätige (NOC C)
  • "Atlantic International Graduate Program": für internationale Studienabsolventen von einer Bildungsinstitution in einer der vier Provinzen Newfoundland and Labrador, Prince Edward Island, Nova Scotia oder New Brunswick.
Anforderungen an interessierte ausländische Arbeitnehmer:
  • Alle - ausser die Studienabsolventen - müssen mindestens 1 Jahr Berufserfahrung (in dem Beruf resp. "NOC-Level" unter dem sie einwandern wollen) innerhalb der letzten drei Jahren nachweisen
  • Mindestens einem der kanadischen High School entsprechender Abschluss. Studenten müssen unter anderem mindestens 2 Jahre "hier" studiert, innerhalb der letzten 12 Monate einen Abschluss gemacht und eine Mindestdauer in den Provinzen gelebt haben.
  • Per Sprachtest nachweisen, dass die Sprachkompetenz bei CLB 4 liegt.
  • Über genügend finanzielle Mittel für die Einwanderung verfügen.
  • Das Stellenangebot muss von einem sogenannten "designated employer" aus den vier Atlantikprovinzen kommen und muss eine bezahlte Vollzeitstelle (mindestens 30 Stunden pro Woche) sein. Die Vertragslänge kann auf 1 Jahr limitiert sein, ausser für jene Stellenangebote, die unter "Atlantic Intermediate-Skilled Program" laugen: Dort muss das Stellenangebot unbefristet sein.
Um unter diesem Programm nach Kanada resp. in die Atlantischen Provinzen auswandern zu können, müssen also Interessierte, die die an sie gestellten Anforderungen erfüllen, einen "designated employer" finden, der ihnen eine Stelle offeriert und beim Einwanderungsprozess unterstützend wirkt.

[14. Juli 2017]

Die einfachste und schnellste Variante nach Kanada auszuwandern besteht dann, wenn der Lebenspartner selbst ein kanadischer Bürger ist oder mindestens das Recht auf Daueraufenthalt seit mehreren Jahren besitzt und für die Einwanderung bürgt. Die weitaus meisten an einer Einwanderung interessierten Personen werden aber in einem Selektionsprozess aufgrund ihrer beruflichen Qualifikation sowie Erfahrung ausgewählt. Die Wahrscheinlichkeit, sich in Kanada wirtschaftlich erfolgreich etablieren zu können (sprich: mindestens für den eigenen Lebensunterhalt aufkommen zu können) ist bei vielen Programmen eines der wesentlichsten Kriterien bei der Beurteilung eines Einwanderungsgesuch.

Die Einwanderungsprogramme werden entweder durch den Bundesstaat (also "Kanada"), durch die einzelnen Provinzen oder - der Spezialfall - durch Quebec ausgestaltet und unterhalten. Dennoch: Egal welches der rund 60 verschiedenen Programme zur Anwendung kommt: der letzte Entscheid, ob ein Daueraufenthaltsrecht (PR) erteilt wird, obliegt am Schluss immer bei den Einwanderungsbehörden.

Es gibt folgende Möglichkeiten:

  • Mittels beruflicher Qualifikation (mit Vorteil ein festes Stellenangebot aus Kanada in der Tasche). Die drei folgenden Programme werden über eine Art Online-Selektionsmanagementprogramm (“Express Entry”) abgewickelt: :
    • Federal Skilled Worker: Für Führungskräfte, Akademiker, qualifizierte Berufsleute
    • Federal Skilled Trades: Qualifizierte für aktuell bevorzugte Berufe
    • Canadian Experience Class: Kanadische Arbeitserfahrung in einem unter NOC 0, A, B klassifizierten Beruf
  • Die weitaus meisten Möglichkeiten, sich dauerhaft in Kanada niederzulassen, bieten die sogenannten Provincial Nominee Programs.
    • Im Prinzip bieten alle Provinzen Programme für Führungskräfte, Hochschulabsolventen, qualifizierte Berufsfachleuten sowie Investoren und Entrepreneurs die Möglichkeit, sich für eine Nomination zu bewerben.
    • Einige Provinzen bieten spezielle auf ihre aktuellen wirtschaftliche Bedürfnisse ausgerichteten Einwanderungsprogramme an, die allerdings jederzeit aufgrund neuer Rahmenbedingungen geändert oder aufgehoben werden können:
      • Ein paar wenige Provinzen offerieren Einwanderungsprogramme für Berufsleute mit kürzerer Ausbildungszeit, Angelernte oder Hilfsarbeiter.
      • Für ein paar wenige Einwanderungsprogramme muss kein Stellenangebot vorgewiesen werden.
      • Es gibt spezielle Programme für Französischsprachige (Ontario), Ingenieure, Fachleute aus dem Gesundheitssektor, Landwirte, LKW-Fahrer, für Personen im Bereich Gastgewerbe/Hotellerie und für Absolventen eines Studiums in Kanada.
  • Quebec’s eigenes Immigrationsprogramm: Die bundesstaatlichen Programme gelten nicht für Quebec. Diese Provinz hat ihr eigenes Einwanderungssystem /-verfahren. Neben qualifizierten Berufsleuten und Hochschulabsolventen bietet la belle Province auch Immigrationswege für Geschäftsleute und Freischaffende an.
  • Familien-Zusammenführung: Kanadische Staatsbürger oder Personen mit einer Daueraufenthaltsgenehmigung (PR) können als sogenannte ‘Sponsoren’ für Ehe-Partner, Lebenspartner, Kinder und allenfalls Enkelkinder bei den Einwanderungsbehörden bürgen und damit einen einfacheren Einwanderungsprozess ermöglichen. Bei Eltern, Grosseltern oder Adoption ist das Verfahren etwas umständlicher, schwieriger.
  • Als Selbständige: Für international bekannte Persönlichkeiten und schon Freischaffende aus Kunst, Kultur, Sport, Freizeit/Erholung. Dieser Weg steht auch offen für Landwirte.
  • Start Up-Unternehmer: Eine Unterstützung durch einen bei den Einwanderungsbehörden akzeptierten Angel Investor, Venture Capital Fund oder Inkubator (in Kanada) ist Voraussetzung.
  • Als Caregiver
  • Als anerkannter Flüchtling