Auswandern Kanada: Voraussetzungen, Wege und Möglichkeiten

Die einfachste und schnellste Variante nach Kanada auszuwandern besteht dann, wenn der Lebenspartner selbst ein kanadischer Bürger ist oder mindestens das Recht auf Daueraufenthalt seit mehreren Jahren besitzt und für die Einwanderung bürgt. Die weitaus meisten an einer Einwanderung interessierten Personen werden aber mittels eines Punktesystems aufgrund ihrer beruflichen Qualifikation, Erfahrung sowie weiteren Faktoren ausgewählt. Die Wahrscheinlichkeit, sich in Kanada wirtschaftlich erfolgreich etablieren zu können (sprich: mindestens für den eigenen Lebensunterhalt aufkommen zu können) ist bei vielen Programmen eines der wesentlichsten Kriterien bei der Beurteilung eines Einwanderungsgesuchs.

Die Einwanderungsprogramme werden entweder durch den Bundesstaat (also "Kanada"), durch die einzelnen Provinzen oder - der Spezialfall - durch Quebec ausgestaltet und unterhalten. Dennoch: Egal welches der rund 60 verschiedenen Programme zur Anwendung kommt: der letzte Entscheid, ob ein Daueraufenthaltsrecht (PR) erteilt wird, obliegt am Schluss immer bei den "kanadischen" Einwanderungsbehörden.

Optionen für Auswanderer nach Kanada:

1. Berufliche Qualifikation (Express Entry)

Über die berufliche Qualifikation (und mit Vorteil ein festes Stellenangebot aus Kanada in der Tasche) qualifizieren. Allerdings muss der Beruf im kanadischen Berufsklassifizierungssystem "NOC" unter "0", "A" oder "B" (vgl. Erklärung NOC) klassifiziert sein.

Programm Geeignet für wen?
1. Federal Skilled Worker Für Personen mit Erfahrung im Managment, in einem akademischen oder handwerklichen Beruf.
2. Federal Skilled Trades Nur für Handwerker aus einer von der Regierung bestimmten Berufsgruppe
3. Canadian Experience Class Für diejenigen, die genügend lange Arbeitserfahrung in Kanada in einem unter NOC 0, A, B klassifizierten Beruf vorweisen können

Diese drei bundestaatlichen Programme werden über ein Online-Selektionsmanagementprogramm mit Punkte-Pool (“Express Entry”) abgewickelt. Dieser Weg ist der schnellste "Weg nach Kanada" für Auswanderer, vorausgesetzt, die Interessenten erfüllen die Anforderungen eines der drei oben genannten Programme und generieren bei den verlangten Kriterien eine genügend hohe Punktzahl, um von den Einwadnerungsbehörden aufgefordert zu werden, einen Antrag auf PR zu stellen. Im Prinzip braucht man keinen Job oder Arbeiterfahrung in Kanada vorweisen zu müssen. Man erhält aber dann auch keine (vielleicht nötigen) zusätzlichen Punkte.

2. Provinz-Programme (ausser Quebec)

Die weitaus meisten Möglichkeiten, sich dauerhaft in Kanada niederzulassen, bieten die Provinzen (Quebec hat ein eigenes Programm) mit ihren sogenannten Provincial Nominee Programs ("PNP").

  • Im Prinzip bieten alle Provinzen Programme für Führungskräfte, Hochschulabsolventen, qualifizierte Berufsfachleute die Möglichkeit, sich für einen dauerhaften Aufenthalt (PR) zu bewerben. Allerdings verlangen die meisten dieser Programme, dass Arbeitnehmer ein Stellenangebot aus Kanada vorweisen können und allenfalls schon in der Provinz leben.
  • In fast allen Provinzen gibt es die Möglichkeit, als Unternehmer eine PR anzustreben.
  • Einige Provinzen bieten spezielle auf ihre aktuellen wirtschaftliche Bedürfnisse ausgerichteten Einwanderungsprogramme an, die allerdings jederzeit aufgrund neuer Rahmenbedingungen geändert oder aufgehoben werden können:
    • Ein paar wenige Provinzen offerieren Einwanderungsprogramme für Berufsleute mit kürzerer Ausbildungszeit, Angelernte oder Hilfsarbeiter.
    • Für ein paar wenige Einwanderungsprogramme muss kein Stellenangebot vorgewiesen werden.
    • Es gibt spezielle Programme für Französischsprachige (mit der Absicht ausserhalb Quebec zu leben), Ingenieure, Fachleute aus dem Gesundheitssektor, Landwirte, LKW-Fahrer, für Personen im Bereich Gastgewerbe/Hotellerie, für Absolventen eines Studiums in Kanada und für diejenigen mit Destination Ostkanada.

3. Quebec

Quebec’s eigenes Immigrationsprogramm: Die bundesstaatlichen Programme gelten nicht für Quebec. Diese Provinz hat ihr eigenes Einwanderungssystem /-verfahren. Neben qualifizierten Berufsleuten und Hochschulabsolventen bietet La Belle Province auch Immigrationswege für Geschäftsleute und Freischaffende an.

4. Familienzusammenführung

Kanadische Staatsbürger oder Personen mit einer Daueraufenthaltsgenehmigung (PR) können als sogenannte ‘Sponsoren’ für Ehe-Partner, Lebenspartner, Kinder und allenfalls Enkelkinder bei den Einwanderungsbehörden bürgen und damit einen einfacheren Einwanderungsprozess ermöglichen. Bei Eltern, Grosseltern oder Adoption ist das Verfahren etwas umständlicher bzw. aufwändiger.

5. Selbständige

Diese Kategorie ist begrifflich eng gefasst: Für international bekannte Persönlichkeiten und bestandene Freischaffende aus Kunst, Kultur, Sport, Freizeit/Erholung. Dieser Weg steht auch offen für Landwirte.

6. Start-Up-Unternehmen

Eine Unterstützung durch einen bei den Einwanderungsbehörden akzeptierten Angel Investor, Venture Capital Fund oder Inkubator (in Kanada) ist die hauptsächliche Voraussetzung, um sich für diesen Weg zu qualifizieren.

7. Caregiver

Aktuell gibt es drei Programme:
  • Caring for Children Program
  • Caring for People with High Medical Needs Program
  • Live-in Caregiver Program. Dieses klassische "Nanny"-Programm ist am Auslaufen.
Sprache Englisch oder Französisch.
Mindestens CLB 7
Berufserfahrung in NOC 0, A, B
Mindestdauer Berufserfahrung 1 Jahr - ohne Unterbruch - innerhalb der letzten 10 Jahre (Vollzeit oder entsprechend Teilzeit) in denjenigem Beruf , unter dem man einwandern möchte.
Stellenangebot Muss nicht vorhanden sein. Gäbe aber Punkte.
Ausbildung mindestens Abschluss vergleichbar mit einem kanadischen "High School"-Abschluss. Ein höherer Abschluss gibt (mehr) Punkte.
Sprache Englisch oder Französisch.
Mindestens CLB 5 für die Sprachtestkomponenten "Sprechen" und "Hörverständnis" und mindestens CLB 4 in "Leseverständnis" und "Schreiben"
Berufserfahrung in NOC NOC "B" (und nur NOC-Gruppe 72, 73, 82, 92, 632, 633)
Mindestdauer Berufserfahrung 2 Jahr - ohne Unterbruch - innerhalb der letzten 5 Jahre (Vollzeit oder entsprechend Teilzeit) in denjenigem Beruf , unter dem man einwandern möchte.
Stellenangebot Muss vorhanden sein oder dann ein "Certificate of Qualification" (eine in Kanada herausgegebene und akzeptierte Lizenz)
Ausbildung mindestens kein Abschluss erforderlich
Sprache Englisch oder Französisch.
CLB 7, falls der geltend machende Beruf als NOC "0" oder "A" klassifiziert ist.
CLB 5, falls der geltend machende Beruf als NOC "B" klassifiziert ist.
Berufserfahrung in NOC 0, A, B
Mindestdauer Berufserfahrung 1 Jahr - ohne Unterbruch - innerhalb der letzten 3 Jahre (Vollzeit oder entsprechend Teilzeit) in denjenigem Beruf , unter dem man einwandern möchte.
Stellenangebot Muss nicht vorhanden sein
Ausbildung Abschluss nicht erforderlich
Je nach Arbeitsmarktsituation oder Politik gibt es Einwanderungsprogramme oder "Pilot programs", die kommen (und wieder gehen können). Zur Zeit nennenswert sind folgende Initiativen:
  • Mobilité francophone: In erster Linie für französische Muttersprachler resp. Personen, die eine "gewisse" Sprachkompetenz in Französisch haben.
  • Atlantic Immigration Pilot Project: Die Aussicht auf einen etwas vereinfachter Weg zu PR soll Auswanderer nach Kanada in die maritimen Provinzen locken.
  • Rural and Northern Immigration Pilot: Richtet sich einerseits an abgelegene Ortschaften Kanadas, die unter diesem Pilotprogramm besser Immigranten für die Besetzung von offenen Stellen rekrutieren können - und an Auswanderer, die die geografische "remoteness" in Kanada schätzen.
  • Global Skills Strategy: Ein Effort, um besser hoch qualifizierte ausländische Fachspezialisten rekrutieren zu können.
Es braucht nicht unbedingt ein Stellenangebot, um nach Kanada auswandern zu können. Im Rahmen der Familienzusammenführung oder bei Businessprogrammen braucht es kein Stellenangebot. Für in Kanada graduierte Ausländer ist unter Umständen auch kein Stellenangebot nötig, um sich für ein Einwanderungsprogramm zu qualifizieren. Provinzprogramme können - um den Bedürfnissen ihres Arbeitsmarktes nachzukommen - das Kriterium einer “Job Offer” für spezifische Berufe fallenlassen. Für die Meisten, die unter ihrem Beruf einwandern wollen, bedeutet ein fehlendes Stellenangebot in der Regel aber, dass dies bei den anderen Kriterien kompensiert werden muss - was machbar sein kann.
In immer mehr Einwanderungskategorien werden die an einer Immigration Interessierten mittels eines Punktesytems selektioniert. Das Punktesystem findet mittels Express Entry in bundesstaatlichen Programmen wie "Federal Skilled Worker" (diese Programm hat zudem noch ein eigenes Punktesystem), "Federal Skilled Trades Program", die "Canadian Experience Class" aber auch in einzelnen "Provincial Nominee Programs" Anwendung. Die Kriterien werden vor allem in den Programmen der Provinzen punktemässig (leicht) unterschiedlich bewertet. Aber allen ist gemeinsam, dass besonders viele Punkte vergeben werden für:
  • Jüngere Personen
  • Längere postsekundäre Ausbildung
  • Hohe Sprachkompetenz in Englisch, Französisch oder gar in beiden Sprachen
  • "Kanadische Erfahrung" in Bezug auf Arbeit und/oder Ausbildung
  • Partner, mit "kanadischer Erfahrung" in Bezug auf Arbeit und/oder Ausbildung und Sprachkompetenz in Englisch/Französisch
  • Vorhandenes Stellenangebot in Kanada
  • Kanadische Zertifizierung eines Berufsabschlusses
Allerdings ist auch wichtig zu wissen, dass es nebst punktebasierten Selektionen auch alternative Immigrationwege nach Kanada gibt. Ein Stellenangebot aus Kanada oder spezielle Einwanderungsprogramme der Provinzen oder ein Studium oder die Qualifikation als Entrepreneur können ebenfalls den Weg nach Kanada ebnen.
In Bezug auf Alter kennt Kanada keine generelle über alle Einwanderungsprogramme sich erstreckende geltende “obere” Altersgrenze als Qualifikationskriterium. Allerdings gibt es vereinzelte Programme, die eine obere Alterslimite festsetzen. So können vereinzelte Teile von Provinzprogrammen eine obere Alterslimite haben, die - je nach Provinz - um die Mitte 50 fluktuiert.
Punktebasierte Einwanderungsprogramme wie Express Entry haben meistens auch das Kriterien “Alter”: Die 1. Lebenshälfte gibt mehr Punkte, die 2. verliert zunehmend Punkte. Kinder, die jünger als 22 Jahre alt sind, können mit den Eltern - als Familie - nach Kanada auswandern.
Unter dem Programm der Familienzusammenführung spielt das Alter des Partners keine Rolle. Business-Programme haben keine Alterslimite oder schenken dem Alter geringere Bedeutung zu. Dort zählt eher Geschäftserfahrung, Geschäftsidee und Investitionsvolumen.
Kanada kennt kein Rentner-Visa oder Rentneraufenthaltsbewilligung. Interessierte, die als Rentner nach Kanada als permanente Residents wollen, müssen versuchen, in eines der bestehenden Einwanderungsprogramme unterzukommen. “Mit unserem Ersparten fallen wir Kanada ja nicht zur Last” ist leider kein Argument, da eine solche Situation im kanadischen Einwanderungsgesetz nicht vorkommt. Auch der Kauf einer Liegenschaft in Kanada führt nicht zum Daueraufenthaltsberchtigung. Vor allem Personen, die unter ihrem Beruf nach Kanada auswandern wollen, werden daraufhin gehend beurteilt, ob sie wirtschaftlich sich in Kanada erfolgreich etablieren können. Als Rentner nach Kanada auswandern ist nicht unmöglich, aber schwierig. Optionen wären:

“Familienzusammenführung”. Das ist dann eine Möglichkeit, wenn der Lebenspartner oder ein Kind entweder kanadische Staatsbürger sind oder eine Niederlassungsbewilligung (Permanent Resident, PR) haben und dann als sogenannter Sponsor auftreten kann. Sofern die vom Einwanderungsprogramm gestellten Anforderungen erfüllt sind, können die Sponsoren mit ihrem Antrag entweder den Partner direkt sponsern oder im Falle eines Eltern/Grosseltern-Sponsoring an einem speziellen Auswahlverfahren der Einwanderungsbehörden zu teilnehmen. Allerdings kann die jährlich zu vergebene Quota bei weitem die Nachfrage nicht befriedigen.

Rentner könnten unter ihrem Beruf versuchen, einzuwandern. Express Entry ist ein punktebasierte Selektionsmechanismus für Berufsleute. Diejenigen, die viele Punkte sammeln, werden von den Behörden aufgefordert, ihren Antrag auf Daueraufenthalt einzureichen. In diesem Punktewettbewerb werden Punkte werden vergeben nach Kriterien wie Ausbildung, Arbeitserfahrung, Sprachkompetenz - aber für das Alter. Ist der Auswanderer schon im etwas fortgeschrittenen Alter, dann wird es schwierig, die durch das Alter “verlorenen” Punkte durch anderen Kriterien kompensieren zu versuchen um in diesem “Wettbewerb” konkurrenzfähig zu sein. Qualifiziert man sich für den Express-Entry-Pool mit aber nicht ganz kompetitiver Punktezahl, dann ist nicht alles verloren. Einzelne Provinzen haben eigene Kriterien, Auswanderungswillige im Pool auszuwählen.

Business-Programme zielen auf Entrepreneurs/Unternehmer und legen weniger Wert auf Alter, Sprachkompetenz oder Ausbildung. Als Hauptkriterien in diesen Programmen zählen vor allem Managementerfahrung und fordern teilweise sehr hohes Kapital (Eigenvermögen und Investitionsvolumen). Der Weg kann eine Option sein aber dieseü diese Einwanderungskategorien ist finanziell und zeitlich mit grossem Engagement verbunden. In aller Regel gilt es, eine “Probezeit” mit dem Geschäftsprojekt in Kanada zu bestehen, um dann einen Antrag auf PR stellen zu können.

Rentner, die in eine mögliche Einwanderungskategorie Kanadas passen und sich für diese auch erfolgreich qualifizieren, müssen sich darüber im Klaren sein, dass die Bewilligung für einen Daueraufenthalt am Schluss auch noch vom Resultat der obligatorischen medizinischen Untersuchung und vom Resultat von Führungszeugnissen abhängt. Das letzte Wort hat dann der Einwanderungsbeamte.