Studieren in Kanada ("Studentenvisum"): Informationen zu "Study Permit" (und Nebenarbeit)

Inskünftig sollen ausländische Studenten, die an einer kanadischen Hochschule ihre Ausbildung abgeschlossen haben und danach in Kanada arbeiten wollen, mehr Zeit haben, eine Arbeitsbewilligung zu beantragen. Ab 14. Februar 2019 wird das Zeitfenster, innerhalb dessen der Antrag gestellt werden muss, von bis anhin gültigen 90 Tagen nach Abschluss auf 6 Monate erweitert. 90 Tage war immer eine sehr kurze Frist, die bei Unachtsamkeit leicht schnell überschritten werden konnte. Ebenfalls fallen gelassen wurde die restriktive Vorgabe, dass die Studienerlaubnis während des ganzen Bewilligungsprozesses gültig zu sein hatte. Jetzt wird “bloss” noch gefordert, dass sie zu irgendeinem Zeitpunkt während des Antrag gültig zu sein hat.
Das Post Graduation Work Permit Programm ermöglicht Studierenden, eine offene Arbeitserlaubnis (“PGWP) zu beantragen, falls sie ihren Abschluss an einer dazu qualifizierten kanadischen Bildungseinrichtungen (DLI) gemacht haben. Die durch das PGWPP erworbene kanadische Berufserfahrung liefert - solange die Berufserfahrung als NOC 0, A oder B klassifiziert wird - wertvolle Punkte, um sich für Express Entry zu qualifizieren.

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Eine Studienerlaubnis wird dann erteilt, wenn gesetzlich vorgeschriebene Anforderungen erfüllt sind wie:
  • an einer als DLI klassifizierten Schule eingeschrieben. Zulassungsbescheinigung ("Letter of Acceptance") der gewählten Schule. Für die Destination Quebec braucht es entweder ein "Certificat d'acceptation du Québec" (CAQ) oder "Confirmation Letter" von den Immigrationsbehörden in Quebec.
  • Nachweis genügend finanzieller Mittel um die Studiengebühr, Lebenskosten und Reisekosten zu tragen. Bei der Berechnung des Lebensunterhaltes wendet Quebec einen anderen Masstab als Rest Kanadas an.
  • Kein Eintrag im Strafregister und kein Sicherheitsrisiko für Kanada.
  • Gute Gesundheit
  • Aufzeigen stichhaltiger Gründe, nach Abschluss des Studiums Kanada wieder zu verlassen
  • Aufzeigen, dass man nach Kanada kommt, um in Treu und Glauben zu studieren. Es gilt also den Einwanderungsbeamten zu überzeugen, dass es die ernste Absicht, nach Kanada zu kommen, um zu studieren. Diese Überzeugungsarbeit kann am besten mit mit einem Argumentarium (im Sinne von:” Warum ich in Kanada studieren will”) auf einem separatem Beiblatt angehen.

Eine Studienerlaubnis (“Study Permit”) für Kanada ist dann zwingend, wenn die Studienzeit länger als 6 Monate dauern sollte.
Der Begriff 'Studieren' ist breit gehalten und umfasst akademische wie auch berufliche Aus- und Weiterbildung. Eine “Study Permit” wird aber nur erteilt, wenn an einer sogenannten 'Designated Learning Institution', also an einer von den Einwanderungsbehörden anerkannten postsekundären Schulen, studiert wird. Designated Learning Institutions sind nur nicht Hochschulen, sondern auch Sprachschulen, Colleges und andere Fachschulen. Alleine Ontario hat über 400 oder BC mehr als 200 Designated Learning Institutions. Kindergarten bis "Grade 12"-Schulen sind automatisch DLIs qualifiziert.

In der Regel muss eine Studienerlaubnis vor der Einreise nach Kanada beantragt werden. In gewissen Fällen ist dies an der Grenze selbst oder in Kanada möglich. Beantragt wird diese entweder online oder bei einem der im Auftrag der Regierung stehenden Visa Application Center (VAC).

Der Begriff “Studentenvisum” für Kanada existiert nicht. Erfolgt der Antrag auf eine Studienerlaubnis im Ausland, dann erhält man eine sogenannte “Letter of Introduction” und - je nach Staatsangehörigkeit - entweder ein Besuchervisum (“Tourist Visa”) oder eine eTA (“Electronic Travel Authorization”). Der “Besuchervisum”-/eTA-Teil erlaubt den Flug nach Kanada und der “Letter of Introduction” berechtigt, bei den Grenzbeamten in Kanada - also erst jetzt und da - eine Studienerlaubnis zu beantragen.

Für kürzere Studienzeit kann es sich lohnen, auch ein Study Permit zu beantragen. Dies vor allem dann, wenn im Anschluss an den ersten Lehrgang ein weiteres Studium geplant ist. Einmal im Besitze einer gültigen Study Permits kann bequem innerhalb Kanadas eine Verlängerung oder andere Änderungen vorgenommen werden. In den meisten Fällen muss eine Studienerlaubnis nämlich von ausserhalb Kanadas beantragt werden.

Eine Studienerlaubnis ist Voraussetzung, wenn der Student auch einer (bezahlten) Arbeit nachgehen will.

Bei der Bestimmung der Studiendauer ist nicht die Anzahl Monate, die man plant zu studieren massgebend, sondern die zeitliche Länge des Kurses selber.

Die eigene Familie darf sich während des Studiums in Kanada niederlassen und der Ehepartner kann eine Arbeitsbewilligung wie auch Studienerlaubnis beantragen.

Ziel "Letter of Explanation" in Form eines separaten Beiblattes sollte ein Argumentariums sein, das für Beamten dahingehend überzeugt, dass die Absicht, in Kanada zu studieren, guten Treu und Glaubens sind. Keimt bei den Behörden der Verdacht, dass Studieren in Kanada nur ein Mittel zur Immigration ist, dann läuft man Gefahr, dass der Antrag auf eine “study permit” abgelehnt wird.

Elemente, die angesprochen werden sollten/könnten:
  • Gründe, weshalb Kanada und das spezifische Programm ausgewählt wurden
  • Weshalb das Studium für die persönliche Weiterentwicklung Sinn macht
  • Hinweis, dass man (die einwanderungsrechtlichen Vorgaben, Limiten), die eine Study Permit mit sich bringt, kennt.
  • Inwieweit der kanadische Abschluss die Chancen des Gesuchstellers auf dem Arbeitsmarkt steigert
  • Etwas ältere Studierende sollten ausführen, weshalb man gerade jetzt einen Karrierenwechsel plant.
Die Zulassungsbescheinigung der kanadischen Institution sollte auf offiziellem Briefpapier (mit Briefkopf, Postadresse, Kontaktdaten wie E-Mail, Telefon- und Faxnummer ) versehen sein. Inhaltlich sollten möglichst alle folgende Angaben aufgeführt sein:
  • Persönliche Informationen
    • Vor- und Nachnamen, Geburtsdatum: die sollten mit den Ausweis- resp. Reisedokumenten übereinstimmen.
    • Falls man in Quebec studieren will: Angabe darüber, die obligatorische, sogenannte CAQ (Certificat d'acception du Québec) oder ein Brief der Einwanderungsbehörden Quebecs (Ministè̩re de l'immigration, Diversité et Inclusion (MIDI)) vorliegt
    • Postadresse: Postfach, Strasse, Postleitzahl, Ort, Land.
  • Angaben zur Ausbildungsinstitution
    • Name, Adresse, Kontaktdaten
    • Namen von Kontaktpersonen mit Angaben zu deren Position, Telefonnummer (inkl. Extension
    • Designated learning institution number
    • Angaben darüber, ob es sich um eine öffentliche oder private Institution handelt
  • Angaben zum Programm
    • Angaben, ob Vollzeit- oder Teilzeitstudium
    • Studienrichtung, Studienfach
    • Ausbildung: Anzahl Wochenstunden
    • Art des Programmes: Akademisch, Berufsausbildung, Weiterbildung
    • Ausbildungsstufe
    • Handelt es sich um ein Exchange-Programm
    • Geschätzte Studienkosten und Angaben darüber, welcher Betrag bereits vorausbezahlt wurde
    • Angaben darüber, ob und falls woher wieviel finanzielle Unterstützung (Stipendien, o.ä.) kommt.
    • Angaben darüber, ob ein Praktikum Teil der Ausbildung ist. Wenn ja, für wielange und in welchem Fach
    • Hinweis auf noch zu erfüllende Aufnahmebedingungen
    • Dauer des Programms: Datum Beginn und Ende, bzw. Anzahl Studienjahre des Programmes
    • Gültigkeitsdauer dieser Zulassungsbescheinigung
Vollzeit-Studenten in einer postsekundären Ausbildung können während der Gültigkeitsdauer ihrer Studienerlaubnis auf dem Campus der Ausbildungsstätte ohne Arbeitsbewilligung arbeiten.
Unter Umständen ist es auch möglich, ausserhalb des Campus maximal 20 Stunden während des Semesters und Vollzeit während der Semesterferien zu arbeiten. Dafür müssen aber gewisse Voraussetzungen erfüllt sein wie beispielsweise: spezieller Vermerk für Off-Campus-Arbeit in der "Study Permit", die Studienzeit muss Vollzeit sein und mindestens 6 Monate dauern und in der Regel an einer postsekundären "DLI" stattfinden.
Vorsicht und Abklärungen betreffend Arbeitserlaubnis braucht es bei "Übergängen" wie unmittelbar vor oder nach dem Studium, Teilzeit-Student, Studienunterbruch, Wechsel Studienfach, -ort.

Nach erfolgreichem Studium in Kanada kann im Rahmen des sogenannten 'Post Graduate Work Permit' (PGWP) eine Arbeitserlaubnis beantragt werden - vorausgesetzt, das abgeschlossene Ausbildungsprogramm berechtigt zum Antrag einer PGWP. Für diese Art der Arbeitserlaubnis entfällt die LMIA. Die Dauer der Arbeitsbewilligung richtet sich nach der Länge der unter der Study Permit gemachten Ausbildung: Mindestens 8 Monate, höchstens 3 Jahre. Je nach Länge der Arbeitserlaubnis bietet dies die Möglichkeit, sich innerhalb dieses Zeitfensters als Angestellte/r in einer Firma kanadische Arbeitserfahrung in einem NOC 0/A/B-Job zu sammeln um sich dann, - z.B. in der "Canadian Experience Class (CEC)" - um einen dauerhaften Aufenthalt (Permanent Residency) zu bewerben.