Praktikum Kanada: Working Holiday, Young Professional, Coop

Ein, zwei oder gar mehrere Jahre in Kanada arbeiten. Für junge Personen bietet das "International Experience Canada (IEC)"-Programm die Möglichkeit, ein Auslandspraktikum in Kanada mit relativ wenig bürokratischem Aufwand zu starten und - je nach Programm und Nationalität des Programm-Teilnehmers - ein oder mehrere Jahr dort zu arbeiten und "kanadische Arbeitserfahrung" zu sammeln.

IEC kann eine einmalige Lebenserfahrung als Auslandpraktikum aber auch ein wertvoller Schritt für eine Auswanderung nach Kanada sein. Der bekannteste Teil des IEC-Programms ist das Working-Holiday-"Visum" (früher als Work and Travel bekannt).

Interessierte und für das Programm Qualifizierte müssen unter Umständen rasch handeln und sich online anmelden, denn die zur Verfügung stehende Jahresquote kann schnell erreicht sein.

IEC kennt drei Kategorien, an denen an einem Auslandspraktikum in Kanada Interessierte teilnehmen können:
  • Working Holiday ("Work and Travel") "-Visum": Attraktiv deshalb, weil mit dem Working Holiday eine freizügige (zeitlich befristete) Arbeitserlaubnis gekoppelt ist. So ist es gestattet, ohne Arbeitsvertrag nach Kanada einzureisen, jederzeit irgendwo irgendeinen Arbeitgeber zu finden und zu arbeiten.
  • International Coop : Im Heimatland eingeschriebene Studenten, die ein zur Ausbildung notwendiges Praktikum, im Studienbereich, in Kanada absolvieren (wollen). Auch hier muss ein gültiger Arbeitsvertrag vorliegen.
  • Young Professionals : Für diejenigen, die auf ihrem angestammten Beruf Erfahrung in Form eines Auslandpraktikums in Kanada sammeln wollen. Ein Beruf- oder Hochschulabschluss und ein gültiger Arbeitsvertrag ist erforderlich. Der "Young Professional" muss angestellt sein und die Arbeit muss entlöhnt werden. Das Stellenprofil des angebotenen Jobs muss unter NOC 0, A, B klassifiziert sein. Ein NOC "C-Stellenangebot kann akzeptiert werden, vorausgesetzt, Kandidaten können einen postsekundären Abschluss vorweisen und einen direkten Bezug zwischen gemachtem Abschluss und NOC "C"-Stellenangebot aufzeigen

Mit der Anmeldung landet man in einem "Pool", wird damit ein sogenannter (IEC-)"Kandidat" und muss auf die Selektion durch die Behörden warten. Die Behörden selektionieren mittels einer "Einladung (Invitation)". Jetzt gilt es, sich, mit allen nötigen Dokumenten zur Hand, für eine Arbeitserlaubnis, eine "Work Permit" (also nicht Working Holiday Visa, o.ä). zu bewerben. Kernstück einer Anmeldung unter dem International Experience Canada-Programm ist die Arbeitsgenehmigung. Automatisch dazu erhält man eine eTA resp. Touristenvisum ("Tourist Visa").

Bei "Young Professionals" wie bei "International Co-op Internship" wird - im Gegensatz zu "Working Holiday" eine "restriktive" Arbeitserlaubnis ausgestellt. Das heisst, Inhaber einer solchen Arbeitsbewilligung können nur beim in der Bewilligung genannten Arbeitgeber arbeiten.

Das IEC ist von von Staat zu Staat unterschiedlich ausgestaltet:

  • Nicht alle Staaten offerieren das Gleiche: Deutschland und Österreich kennen alle drei Kategorien, die Schweiz bietet das "Working Holiday-Visum" nicht an an.
  • Altersgrenze: Teilnahmeberechtigtes Alter kann variieren (in der Regel 18 bis 35)
  • Auch die Dauer des IEC kann unterschiedlich sein. Je nach Vertragstaat kann man ein oder gar 2 Jahre in Kanada arbeiten. Doppelbürger von Vertragsstaaten können unter Umständen die Arbeitszeit noch "ausdehnen".
  • Einige Staaten erlauben, das Programm zu wiederholen oder nachher in ein anderes zu wechseln.
Andorra
Australien
Belgien
Chile
Costa Rica
Czech Republic
Dänemark
Deutschland
Estland
Frankreich
Griechenland
Hong Kong
Irland
Italien
Japan
Kroatien
Lettland
Litauen
Luxemburg
Mexiko
Niederlande
Neuseeland
Norwegen
Österreich
Polen
Portugal
San Marino
Slowakei
Slowenien
Südkorea
Spanien
Schweden
Schweiz
Taiwan
Ukraine
Vereinigtes Königreich

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Die Arbeitserlaubnis (Work Permit), die im Rahmen des IEC vergeben wird, unterscheidet sich von einer "normalen" Arbeitserlaubnis die Temporärarbeitern ausgestellt wird. Die "IEC WP" ist speziell auf das Mobilitätsprogramm zugeschnitten und muss im Gegensatz zum üblichen Work Permit nicht den langwierigen Bewilligungsprozess eines Labour Market Impact Assessments (LMIA) durchlaufen; dies als Resultat der Vereinbarung zwischen den teilnehmenden Staaten. Das heisst aber auch, dass die Länge der Arbeitsbewilligung für IEC (wie auch IEC selber) definitiv ist und nicht verlängert werden kann.


Für alle drei IEC-Kategorien wird (erst) am Grenzübertritt (Port of Entry, POE) die Arbeitsbewilligung ("Work"Permit") ausgestellt und hat üblicherweise Vermerke auf dem Dokument, die Restriktion betreffend Arbeit aufführen. Die Arbeitsbewilligung für "Working Holiday" unterscheidet sich von "Young Professional/Coop".
  • Working Holiday: Die Arbeitserlaubnis sollte folgende Vermerke auf dem Dokument haben:
    • "open" employer ( = keine Restriktionen betreffend Arbeitgeber, eine Vorteil von Working Holiday)
    • "open" location ( = man ist geografisch an keinen Ort gebunden. Man kann arbeiten, wo man will)
  • Young Professionals / Coop
    • Die Arbeitsbewilligung sollte den Arbeitgeber aufführen. Diese Work Permit ist also an diesen Arbeitgeber gebunden.
Folgende Dokumente werden für die Einreise nach Kanada im Rahmen des IEC verlangt:
  • Gültiger Pass
  • Der sogenannte "Port of Entry (POE) Letter", ein "Empfehlungsschreiben" der Einwanderungsbehörden an die kanadische Grenzpolizei, eine Arbeits- oder Studienerlaubnis auszustellen.
  • Nachweis genügend finanzieller Mittel (CAD 2'500)
  • Nachweis einer abgeschlossenen Krankenversicherung für die Dauer des Aufenthaltes in Kanada
  • Flugticket oder genügend finanzielle Mittel, um Kanada wieder verlassen zu können
  • Kopien der Dokumente, die für den Antrag auf eine Arbeitsbewilligung notwendig waren.

Die IEC läuft über einen zweistufigen Anmeldeprozess ab: Mittels Erstellen eines IEC-Online-Profils melden Sie Ihr Interesse und warten dann auf eine sogenannte "Invitation to Apply" (ITA) durch die Immigrationsbehörde. Die Wartezeit kann benutzt werden, um die geforderten Dokumente zusammenzustellen.
Die ITA muss innerhalb von 10 Tagen akzeptiert werden. Ebenfalls ab ITA muss innerhalb von 20 Tagen online eine Arbeitserlaubnis beantragt und die Dokumente eingereicht werden.

Spezielle Vorbereitung für "Young Professional" und "Coop/Internship": Der kanadische Arbeitsgeber muss nämlich die offene, angebotene Stelle online registrieren lassen, 230 CAD$ zahlen und dafür erhält eine "Employment Number", die für die Arbeitsbewilligung (im Schritt 5) gebraucht wird.

Im Schnitt brauchen die Behörden 8 Wochen zur Bearbeitung des Dossiers.

Die einzelnen Schritte:
  1. Abklärung, ob man für IEC berechtigt ist?
    Den Fragebogen der Einwanderungsbehörden ausfüllen. Gefragt wird unter anderem nach :
    • Staatsbürgerschaft
    • Ständiger Wohnsitz
    • Aktueller Aufenthaltsort
    • Ist man Student/-in?
    • Stellenangebot vorhanden?
    Aufgrund der Antworten wird in einer ersten Einschätzung seitens der Behörden festgestellt, ob Antragsteller für eines der IEC-Programme berechtigt ist. Wenn das der Fall ist, erhält man einen Referenzcode, der 60 Tage lang gültig ist.
  2. Konto bei den Einwanderungsbehörden eröffnen (vgl. Anleitung um ein IRCC-Konto zu eröffnen)
  3. Im Konto:
    • Profil vervollständigen
    • Im Konto die Auswahl “International Experience Canada (IEC)” treffen
    • Referenzcode eingeben - oder falls keiner vorhanden, eine Fragesequenz beantworten, die dann feststellt, ob man für IEC berechtigt ist.
  4. Erhält man die Nachricht einer "Invitation To Apply" (ITA), dann hat man 10 Tage Zeit, diese Einladung (nämlich die Unterlagen für einen IEC-Antrag einzureichen) anzunehmen oder abzulehnen.
  5. Wird die ITA akzeptiert, dann gilt es, innerhalb 20 Tagen:
    • die Arbeitsbewilligung zu beantragen
    • die vollständigen Unterlagen einzureichen
    • die Gebühren via IRCC-Konti (mittels Kreditkarte) zu bezahlen.
    • Im Falle der beiden Kategorien "Young Professional und "Coop": Eingabe der "Employment Number". Diese Nummer muss beim Antrag auf eine Arbeitsbewilligung mit eingereicht werden. Dieses Prozedere gilt nicht für "Working Holiday". Diese "Employment Number" erhält der zukünftige Arbeitgeber als Quituung, wenn er eine sogenannte "Compliance Fee" von CAD 230 via "Employer Portal" bezahlt hat. .
  6. Unter Umständen erhält man im Anschluss an die Eingabe der Unterlagen die Aufforderung, seine biometrischen Daten nachzureichen (Fingerabdruck, Porträtfoto). Dies kann nur in speziell eingerichteten Zentren geschehen, den im Auftrag der kanadischen Regierung operierenden "Visa Application Centers" (VAC). Für beispielsweise Deutschland, der Schweiz oder Österreich wären die Orte Berlin, Düsseldorf und Wien.
  7. Wird die Bewilligung erteilt, dann erhält man von den Einwanderungsbehörden einen "Port of Entry Letter", den man bei der Einreise nach Kanadaden Behörden vorlegen muss.
Bürger von Staaten, die ein entsprechendes Abkommen mit Kanada abgeschlossen haben und in der Regel zwischen 18 und 35 Jahr alt sind.
Ja. Working Holiday ist wohl der bekannteste Programmteil des IEC. Daneben gibt es das "Young Professional"- und "International Co-op"-Programm.
Die Schweiz ist ein Beispiel dafür, dass jeder Staat mit Kanada eigene Bedingungen aushandelt. So gibt im Abkommen mit Kanada zwar die "Young Professional"- und "International Co-op"-Programme, aber unter den 35 teilnehmenden Staaten ist die Schweiz das einzige Land, das mit Kanada kein Working Holiday anbietet.
Für Working Holiday braucht es kein Stellenangebot aus Kanada. Hingegen für die beiden anderen IEC-Programme schon.
Verschiedene Staaten haben betreffend Umfang und Laufzeiten unterschiedliche Abkommen mit Kanada. So erlaubt Deutschland, dass man gesamthaft 2 Mal - allerdings in unterschiedlichen Programmen teilnehmen darf. Österreich erlaubt eine einmalige Teilnahme an einem der drei Programme, die Schweiz erlaubt die zweimalige Teilnahme deckelt aber die Gesamtlaufzeit bei 18 Monaten.
Die "Bewerbungssaison" für das nächste Jahr startet üblicherweise im Spätherbst/Winteranfang. Je nach Popularität der Programme können die Kontingente rasch voll sein. Also entweder auf eine neue IEC-Runde warten oder bei sogenannten von den Einwanderungsbehörden akzeptierten "Recognized Organisation" abklären, ob es dort noch freie Plätze gibt.
Sie müssen sich nicht entscheiden. Doppelbürger können zwei Mal den vollen Umfang des jeweiligen länderspezifischen Abkommens ausschöpfen.
Alle am Working Holiday Interessierten sollen die gleiche Chance haben, selektioniert zu werden. Ein Computerprogramm wählt in regelmässigen zeitlichen Abständen per Los Kandidaten im Pool aus.
Die Anmeldung in den Selektions-Pool ist gratis. Wird man selektioniert, dann wird eine IEC Gebühr von CAD 150 fällig. Ebenfalls ist der Antrag auf eine Arbeitserlaubnis (allerdings nur) beim Working Holiday kostenpflichtig: CAD 100. Alle Teilnehmer müssen überdies ihre biometrischen Angaben erheben lassen: CAD 85.
Online. In einem ersten Schritt geht es in den Pool (eine Art Warteraum), im 2. Schritt - falls man selektioniert wird - muss der eigentliche IEC-Antrag innerhalb kurzer Zeit - eingereicht werden.
Innerhalb der nächsten 10 Tag muss man die Einladung annehmen und ebenfalls innerhalb von 20 Tagen muss die Arbeitserlaubnis beantragen und die geforderten Dokumente online einreichen.
Nicht direkt. Aber das Working Holiday (wie generell alle IEC Programme) kann als Vorbereitung zu einer Auswanderung dienen: