Arbeiten in Kanada. Arbeitserlaubnis: Voraussetzungen, Ausnahmen

Voraussetzung, um in Kanada temporär arbeiten zu können, ist – von ein paar Ausnahmen abgesehen - eine befristete Arbeitserlaubnis, eine 'work permit'. Man beantragt also eine 'work permit' und kein 'Arbeitsvisum' für Kanada. In der Regel muss das Gesuch um Arbeitserlaubnis aussserhalb Kanadas gestellt werden.
Die Dauer der Arbeitsbewilligung richtet sich nach Faktoren wie: Stellengebot, Gültigkeitsdauer der LMIA und Gültigkeitsdatum des Passes.
Unter dem Begriff “arbeiten” verstehen die Behörden jegliche Art von Tätigkeit in Kanada, die entweder in irgendeiner Form entschädigt wird oder im Wettbewerb mit dem kanadischen Arbeitsmarkt steht.

Tätigkeiten, die nicht unter den von den Einwanderungsbehörden verwendeten Begriff "arbeiten" fallen, sind normalerweise solche, die nicht in direkten Wettbewerb mit dem kanadischen Arbeitsmarkt stehen, unentgeltlich und in Teilzeit geleistet werden und nicht der Hauptzweck des Aufenthaltes in Kanada sind. Beispiele von solchen Tätigkeiten, für die im Prinzip keine Arbeitserlaubnis beantragt werden muss:
  • Unbezahlte Freiwilligenarbeit
  • Unbezahlte Unterstützung für Freund oder Familie
  • Telearbeit eines Temporäraufenthalters, der im Auftrag eines im Ausland domizilierten Arbeitgebers arbeitet und auch von diesem entschädigt wird.
  • Arbeit auf Bauernhof für Kost und Logis. (Beispiel "Woof"). Obwohl hier eine (nicht monetäre) Entschädigung vorliegt, ist diese Tätigkeit von einer Arbeitsbewilligung befreit, solange das Engagement die Dauer von vier Wochen nicht übersteigt.

Darüber hinaus gibt es etwas mehr als 20 im Gesetz definierte Berufe bzw. Tätigkeiten, die keiner Arbeitsbewilligung bedürfen. Beispiele solcher Ausnahmen sind: Der Student im Besitze einer Studienerlaubnis, Kongressveranstalter, Redner für Vortragsreihe oder auch Geschäftsreisende. Mit Vorteil sollte im individuellen Fall vorgängig abgeklärt werden, ob die Anforderung erfüllt sind, um kein Work Permit beantragen zu müssen. So brauchen ausländische Künstler, die an einer privaten Veranstaltung in Kanada eine Vorstellung geben keine Arbeitsbewilligung während Künstler in einer kanadischen Theaterproduktion sehr wohl eine Arbeitsbewilligung benötigen.

Damit der an Ausländern interessierte kanadische Arbeitgeber überhaupt jemandem aus dem Ausland einen Job anbieten kann, muss in den meisten Fällen die Firma vorgängig ein “positives” auf die fragliche Stelle fokussiertes “Arbeitsmarktgutachten” (Labour Market Impact Assessment, LMIA) vom Arbeitsamt in Kanada (ESDC) erhalten. In vielen Fallen ist eine (positive) LMIA die Voraussetzung dafür, eine befristete Arbeitserlaubnis beantragen zu können. Damit eine LMIA erteilt wird, muss der Arbeitgeber nachweisen, dass lokal kein Bewerber vorhanden ist. Erst dann kann die Arbeitserlaubnis und - wenn nötig - ein "Besuchervisum" resp. eTA beantragt werden. Mitte Dezember 2016 wurde zeitliche Begrenzung für Arbeitsbewilligungen von maximal vier Jahren fallen gelassen.

Es braucht aber nicht immer eine LMIA. Keine LMIA braucht es für Berufe/Tätigkeiten, die beispielsweise über internationale Vereinbarungen abgedeckt sind oder im Interesse Kanadas liegen. So ist für das Programm “International Experience Canada” (IEC) oder im Rahmen von CETA ("Comprehensive Economic and Trade Agreement", ein Abkommen zwischen der EU und Kanada) oder für innerbetrieblich entsandte Mitarbeitern oder für Künstler im Prinzip keine LMIA nötig. - Im Prinzip.

Eine Work Permit wird im Regelfall ausserhalb Kanadas beantragt. In ein paar speziellen Fällen kann eine Arbeitsbewilligung am Port of Entry und in einigen Fällen in Kanada selbst beantragt werden.

In der Regel muss eine Arbeitserlaubnis vor dem Eintritt nach Kanada entweder online oder bei einem sogenannten Visa Application Center (VAC) (Liste der Bearbeitungszentren) beantragt werden.

Bei der Regierung Kanadas eine "Work Permit" (Arbeitserlaubnis, "Arbeitsvisum") selber beantragen.

Die Bearbeitungszeit kann mehrere Wochen bis Monate dauern und hängt auch davon ab, ob eine ärztliche Untersuchung, eine polizeiliches Führungszeugnis und biometrische Angaben verlangt werden. Personen, die ein “Temporary Resident Visum (TRV)” benötigen, erhalten dies (automatisch) zusammen mit dem Dokument “Letter of Introduction”, welche Basis für die Erteilung einer Arbeitserlaubnis, die erste jeweils beim Grenzübertritt ausgestellt wird, ist.

Personen, die TRV-befreit sind (Siehe: Welche Nationalitäten brauchen kein TRV - dafür eine eTA?), können am Grenzübertritt (Port of Entry, POE) eine Arbeitsbewilligung beantragen, vorausgesetzt sie haben die notwendigen und geforderten Dokumentationen. Der Vor-Ort-Antrag kann eine schnellere Bearbeitungszeit versprechen, der Nachteil ist das Risiko, dass der Antrag auf eine Arbeitserlaubnis - aus welchen Gründen auch immer - verweigert werden kann.
  • Stellenangebot, welches die Anforderungen des entsprechenden Einwanderungsprogrammes erfüllt (z.B. Vollzeitstelle, nicht saisonal)
  • Positives LMIA (falls LMIA erforderlich)
  • Am “richtigen” Ort die Work Permit beantragt
  • Absicht, nach Ablauf der Bewilligung das Land wieder zu verlassen
  • Keine kriminelle Vergangenheit (Je nach Schwere des Vergehens gibt es allerdings Möglichkeiten, trotzdem nach Kanada zu kommen)
  • Gesuchsteller bildet keine Gefahr für die öffentliche Sicherheit Kanadas
  • Gute Gesundheit (u. U. durch ärztliches Zeugnis zu attestieren)
  • Der Arbeitgeber ist nicht auf der “Blacklist” der Einwanderungsbehörden aufgeführt.
  • ...
Es gibt verschiedene Arten von Work Permits ("Arbeitsvisa"):
  • Die meisten bewilligten Arbeitsgenehmigungen sind sogenannte “Employer-specific work permit”, also restriktive, "geschlossene", mit Auflagen versehene Genehmigungen. Das heisst: Diese Arbeitserlaubnis kann mit verschiedenen Auflagen verknüpft sein: nur ein spezifischer Arbeitgeber, bestimmte Tätigkeit, Dauer der Arbeitserlaubnis und auch mit einer örtlichen Begrenzung.
  • Open Work Permit (OWP) erlaubt, für (fast) alle Arbeitgeber in (fast) allen Berufsbereichen in Kanada arbeiten zu können. Es ist keine LMIA, also kein Arbeitsmarktgutachten nötig. In seltenen Fällen können Auflagen gemacht werden. Unter bestimmten Voraussetzungen können u.a. folgende Ausländer eine OWP beantragt werden