Einreise nach Kanada, Einreisebestimmungen

Zwischen dem 31. Juli 2018 und 31. Dezember 2018 führen die Einwanderungsbehörden Kanadas sukzessiv weltweit die Pflicht ein, beim Antrag auf Touristenvisum, Arbeits- resp. Studienbewilligung und auch beim Antrag auf Daueraufenthalt (PR) biometrische Daten (Porträtfoto und Fingerabdrücke) mit einzureichen. Es gibt Ausnahmen: so beispielsweise Personen, die eine sogenannte eTA (electronic Travel Authorization) erhalten haben und als Touristen das Land bereisen wollen; oder jünger als 14 Jahre oder älter als 79 Jahre alt sind.
Stehen Antragsstellende in der Pflicht, im Rahmen ihres Antrages biometrische Daten einreichen zu müssen, dann muss in der Regel irgendeines der sogenannten “Visa Application Center (VAC)” (Standorte) oder während der Transitionsphase auch bestimmte Botschaften (Liste für Europa) persönlich aufgesucht werden, um dort die geforderten biometrischen Daten erfassen zu lassen. VACs sind weltweit verteilte, von der kanadischen Regierung autorisierte und beauftragte private Verarbeitungsstellen für administrative Visumsbelange.
Die Gebühren belaufen sich auf CAD 85 für Einzelpersonen, Familien bezahlen CAD 170. Der Datensatz ist 10 Jahre lang gültig.

[]

Kanada stellt sich auf den Standpunkt, dass die Einreise nach Kanada ein Privileg und kein Recht ist. Dabei spielt es keine Rolle, ob man als Tourist, Arbeiter oder Studierender nach Kanada kommt: Für alle gilt, folgende grundsätzliche Anforderungen für die Einreise nach Kanada zu erfüllen:
  • Die notwendigen Reisedokumente, wie zB. ein gültiger Pass
  • In guter gesundheitlicher Verfassung sein
  • Keine strafrechtliche oder immigrationsbezogene Verurteilung
  • Den Immigrationsbeamten überzeugen, dass es stichhaltige Gründe gibt, dass Sie nach Ablauf der Aufenthaltsfrist wieder in Ihr Land zurückkehren. Akzeptierte Motive können sein:
    • Job zu Hause
    • Haus
    • Finanzielles Engagement im Heimatland
    • Familie
  • Genug finanzielle Mittel, um den Aufenthalt in Kanada (und Rücklug) zu finanzieren.
In der Regel ist ein Visum ("Temporary Resident Visa") oder für visums-befreite Staatsangehörige ein “electronic Travel Authorization” (eTA) nötig, um überhaupt per Luftweg nach Kanada reisen zu können - unabhängig davon, ob als Tourist, Student oder Arbeitskraft.

Die eTA - eine “elektronische Reisegenehmigung” - wird für diejenigen Staatsbürger benötigt, deren Land visum-befreit ist. Also zum Beispiel Deutschland, Österreich oder die Schweiz. Mit anderen Worten: Deutsche, Österreicher oder Schweizer müssen kein Besuchervisum (“Visitor visa”) beantragen, sondern die eTA, falls sie mit dem Flugzeug nach Kanada reisen wollen.(vgl. weitere Informationen zu eTA)
Gelangen Reisende aus einem visumbefreiten Land mittels Schiff oder über den Landweg nach Kanada, dann müssen sie über einen Pass verfügen, dessen Gültigkeitsdauer mindestens sechs Monate über den zeitlich geplanten Aufenthalt hinaus läuft. Zudem muss man an der Grenze glaubhaft die Absicht machen können, nach Ablauf der Aufenthaltsfrist das Land wieder zu verlassen.

Die bewilligte eTA wird einzig und allein elektronisch mit der Nummer des Passes verknüpft. Es gibt also weder einen eTA-Eintrag im Pass noch werden Dokumente verschickt.

Das Besucher-Visum andererseits ist ein im Pass eingeklebter mit einer Gültigkeitsdauer versehenen Sichtvermerk. Im Verkehr mit kanadischen Einwanderungsbehörden ist ein Visum nichts anderes als ein Antrag auf Einlass nach Kanada und eine Art “Grünes Licht”, dass im Urteil des "Visa Officers" im Ausland die gesetzlichen Anforderungen des Antragstellenden für den Besuch in Kanada erfüllt sind. Es ist eine “Empfehlung” an die Grenzbeamten in Kanada, der Person - je nach Antrag - eine zeitlich begrenzte Aufenthaltsbewilligung bzw. eine Arbeitsbewilligung oder Studienbewilligung auszustellen. Der Grenzbeamte (“Canadian Border Services Agent,” CBSA) hat die gesetzliche Pflicht, Einreisende zu examinieren und hat im Anschluss die Entscheidungsbefugnis, Personen einzulassen oder abzuweisen.

Mit anderen Worten:
  • Ein Visum jeglicher Art oder die eTA nach Kanada berechtigt nicht zur Einreise.
  • Die eigentliche Arbeitsbewilligung bzw. Studienbewilligung (allenfalls verbunden mit Auflagen) oder Aufenthaltsrecht als Besucher oder als Geschäftsperson erhält man erst bei der Grenzpolizei in Kanada.

Für “Touristen” wird in der Regel eine 6 monatiger Aufenthalt bewilligt. Die Länge des zeitlich begrenzten Aufenthaltes wird also auch (erst) bei der Einreise durch den Grenzbeamten festgelegt und noch oft im Pass mittels Stempel und handschriftlich versehenen Datum dokumentiert. Dieses Datum ist der letzte Tag an dem man Kanada wieder verlassen muss. Falls der Aufenthalt bei der Einreise von den Behörden verkürzt oder verlängert wird, erhält man dies dokumentiert mittels sogenanntem "Visitor Record”-Dokument mit dem Datum.

Für Arbeitskräfte oder Studenten richtet die Länge der Aufenthaltsdauer nach der bewilligten Arbeits- oder Studienbewilligung.
Im Prinzip brauchen Geschäftsreisende nach Kanada keine Arbeitsbewilligung, sondern nur ein Besuchervisum oder eine eTA, solange sie nachweisbar nicht beabsichtigen, in den kanadischen Arbeitsmarkt zu treten und weiterhin von der ausländischen Firma bezahlt werden. Beispiele solcher Geschäftsaktivitäten könnten sein:
  • Investitionsmöglichkeiten erkunden
  • Kontakte knüpfen wollen
  • Einkauf von kanadischen Gütern
  • Teilnahme an einer Aufsichtsratssitzung
Eine eTA oder ein Besuchervisum ist Voraussetzung für die Einreise nach Kanada, ist aber keine Erlaubnis in Kanada zu studieren oder zu arbeiten. Eine Arbeitsbewilligung ("work permit") oder Studienbewilligung ("study permit") erlaubt dann zu arbeiten bzw. zu studieren, berechtigt aber alleine nicht nach Kanada einzureisen. Arbeiter oder Studenten brauchen also immer ein "Kombi"-Paket: die eigentliche "Permit" und je nach Staat eine eTA oder ein Besuchervisum. Für Staatangebörige aus "eTA-Ländern" wird bei der Bewilligung einer Arbeitsbewilligung automatisch auch eine eTA bewilligt, bei Personen aus Staaten, die kein eTA-Privilig haben, muss ein separates Besuchervisum beantragt werden. Falls eine Arbeits- oder Studienbewilligung innerhalb Kanadas verlängert werden möchte, muss der Antragsteller daran denken, dass eTA resp. Besuchervisum nicht im gleichen Prozess automatisch erneuert werden.
Der zeitlich begrenzte Aufenthalt kann vor Ablauf mit einem entsprechenden Gesuch verlängert werden. Es liegt aber im Ermessen des Immigrationsbeamten, dem Begehren stattzugeben. Es gilt, die Einwanderungsbehörden hauptsächlich zu überzeugen, dass man - auch wenn man eine Verlängerung beantragt - nach Ablauf des bewilligten Aufenthaltes Kanada wieder verlässt. Fragestellungen, die die Bewilligung beeinflussen, können sein:
  • Was sind die Absichten für den Aufenthalt in Kanada?
  • Wie lange ist der Antragstellende schon in Kanada? Um welche zeitliche Verlängerung wird ersucht?
  • Macht die Verlängerung einen Sinn?
  • Was war die ursprüngliche Absicht? Wurde sie erfüllt? Warum braucht es länger?
  • Sind ausreichende finanzielle Mittel (für Aufenthalt und Rückweg) vorhanden?
  • Gibt es ausreichend Gründe, Kanada wieder verlassen?
Reicht man eine Verlängerung vor Ablauf des bewilligten Aufenthaltes ein, dann kommt der Antragsteller in den Genuss einer“provisorischen” Verlängerung, eines sogenannten “implied status”; dies solang bis das Result des Behördenentscheides vorliegt. Im “implied status” kann man im Prinzip weiterhin sich in Kanada aufhalten, resp. im bewilligten Rahmen weiter arbeiten oder weiter studieren. Der “implied status” erlischt, wenn man Kanada (auch nur kurzzeitig) verlässt.

Die Antrag auf Verlängerung kann online oder per Post erfolgen. Es werden Bearbeitungsgebühren fällig.
Folgende Gründe können dazu führen, dass ein Visum, eine eTA oder die Einreise nach Kanada verweigert wird oder das Land verlassen werden muss.
  1. Gefährdung der öffentlichen Sicherheit (Spionage, subversive Aktivitäten, Terrorismus)
  2. Menschenrechtsverletzung (Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Mitglied einer Regierung, die solche verbrechen begangen hat)
  3. Begehen einer Straftat
  4. Mitglied/ Teilnahme an organisiertem Verbrechen (Menschenschmuggel, Geldwäscherei)
  5. medizinische Gründe (Gefährdung der öffentlichen Gesundheit bzw. öffentlichen Sicherheit, zu starke Belastung der Gesundheits- und Sozialleistungen)
  6. finanzielle Gründe
  7. falsche Darstellung eines Sachverhaltes (insbesondere im Zusammenhang mit dem kanadischen Einwwanderungsgesetz)
  8. Übertretung von Bestimmungen des Einwanderungsgesetzes
  9. ein Mitglied des “engen” Familienkreises, das selber mit einem Einreiseverbot belegt ist.
Die grösste Überraschung dürfte in meisten Fällen der Punkt "Begehen einer Straftat" spielen. Was im Heimatland als Kavaliersdelikt gelten kann, kann im kanadischen Strafrecht als ein Vergehen oder gar Verbrechen geahndet werden. Das bekannteste Beispiel ist das "Fahren unter dem Einfluss psychoaktiver Substanzen" (bzw. in der Schweiz als "Fahren im angetrunkene Zustand" bekannt), welches im Ausland viel milder sanktioniert wird als in Kanada. Unter dem Einwanderungsgesetz werden aber im Ausland begangene Straftaten am kanadischen Strafgesetzbuch gemessen - und mittlerweile wird eben dieses unter dem Begriff "Driving under Influence" (DUI) in Kanada als schwere Straftat ("serious criminality") verfolgt. Das heisst: Im Ausland begangenes DUI - wie übrigens auch wenn in Kanada begangen - kann für Besucher, Studenten, Arbeiter wie auch Daueraufenthalter schwere Konsequenzen haben. - Sie können abgewiesen oder abgeschoben werden.