Haus
  • Immobilienmarkt Kanada und der Ballon
    [03.02.2012]
    Kommt er? Kommt er nicht? - Die Frage nach dem möglichen Crash bei den Immobilien in Kanada hat mittlerweile einen Stammplatz in der Berichterstattung erhalten. Nicht ein Woche ohne Nachrichten vom Immobilienmarkt. Nicht eine Woche, in der nicht verschiedenste Szenarien mit verschiedensten Zahlen herumgereicht werden. - Kommt der Crash nun doch?

    Die ganze Debatte wurde jetzt noch zusätzlich befeuert durch ein in Kanada einmalig rekordtiefes Hypothekarzinsangebot von 2.99% durch die Bank of Montreal (BMO). Und es ist auch just die BMO, deren Chefvolkswirtin (die sinnigerweise privat gerade jetzt ihr Haus verkauft) gleichzeitig in einem Report festhält, dass sich der Wohnungsmarkt in keiner Krise befindet. Und um die jetzige Situation bildlich besser zu illustrieren, spricht sie denn auch nicht von einer (Immo)-Bubble, sondern von einem Ballon. Eine Blase kann platzen, aber gemäss BMO wird dem Ballon resp. dem Liegenschaftsmarkt allenfalls langsam die Luft ausgehen. Noch lustige Analogie, denn ein Ballon kann auch zuerst steigen und steigen (wie die Liegenschaftspreise während den letzten Jahren) und dann irgendwann in luftiger Höhe ... platzen.

    Man soll ja keine Krise herbeireden. Aber vielleicht genügt es, einen Schritt zurückzutreten und dann dann feststellen, dass sich der Immobilienmarkt in Bezug auf Wertsteigerung in den letzten Jahre extrem (?) entwickelt hat.
    • So erlebte das kanadische Durchschnittshaus im letzten Jahr eine Wertsteigerung von 7 % auf über 350'000 Dollar. Aber auch die vorhergehenden Jahre haben eine beeindruckende Performance hingelegt.
    • Kanada hat eine aus Sicht der Behörden besorgniserregende (unter anderem hypothekenbedingte) rekordhohe Privatverschuldung.
    • Vorallem in attraktiven Ballungszentren ist Wohnen (fast) nicht mehr "affordable", will sagen finanzierbar.

    Und all das auf dem Boden einer (vorallem im Vergleich zu den Liegenschaftswertsteigerung) doch marginalen Lohnentwicklung und rekordtiefen Hypothekarzinsen.

    Nun, das Schicksal des Ballons kann vielfältig sein. Niemand weiss, wohin er getrieben wird. Richtung unbekannt. Und jetzt? Was heisst das für den zukünftigen Hauskauf in Kanada? Nun, weniger auf den Ballon, die Volkswirte und Immobilienhändler achten, sondern auf Finanzratgeber hören: Einen eigenen persönlichen Finanzstresstest durchführen ("Kann ich mir das Haus überhaupt bei höheren Zinsen leisten?"). Und: Auch in Zeiten von ultratiefen Zinsen die Zinsersparnisse nicht in einen neuen Lexus, Ferien in Mexiko oder Hot Tub investieren, sondern dafür verwenden, Schulden abzuzahlen. Vielleicht gelingt dem Ballon dann doch noch eine sanfte Landung.





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Letzte Aktualisierung: 28.04.2012
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